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Ab in den Süden

Dienstag, 06. Juli 2010

flugzugbild

“Oh, willkommen, willkommen, willkommen Sonnenschein…”. Singend eile ich von meinem Zimmer ins Bad, vom Bad nach unten, von dort wieder in mein Zimmer. Auf dem Bett entsteht langsam aber sicher ein riesiger Haufen aus T-shirts, Flipflops, Sonnencreme, Bikini,  Kamera, Adressbuch, Röcken, Sonnenbrille… eben allem, was frau auf einer zehn-tägigen Spanien-Reise so braucht. Mein Vater, mit dem ich morgen früh los ziehen werde, hat noch längst nicht angefangen zu packen. Das macht er wahrscheinlich noch am Abflugsmorgen… Männer! Das genussvolle Packen gehört doch zu einer gelungenen Reise dazu wie gutes Essen und gemütliche Unterkünfte.

Janina macht mir auch noch eine große Freude, indem sie mir ihre Deutschland-Schminke schenkt.
“Ich hab zwar eine halbe Sekunde gezögert, aber dann entschieden, dass sie dich glücklicher machen wird.”
Cool, cool, cool! Ich will ja schließlich das WM-Halbfinale Spanien gegen Deutschland gucken. In Spanien. Mit Deutschland-Schminke. Danke, Janina!

Jedenfalls muss ich heute noch die letzten Sachen im Büro fertig machen, um dann Morgen alles hinter mir zu lassen und meine erste Spanien-Reise anzutreten. Málaga, ich komme!

Hmm, aber einfach alles hinter mir lassen? Das Büro, die Mails, meinen Schreibtisch. Okay, das geht. Aber was ist mit dem, was ich im FÖJ so gelernt habe. Mit meinem Wissen im Kopf. Mit dem miesen kleinen Floh, der die ganze Zeit in meinem Ohr sitzt und meckert: “Du fliegst in den Urlaub! Ja, du FLIEGST! Fliegen ist sooo klimaschädlich!”

Am Anfang versuche ich noch, dagegen zu agumentieren: “Ach, ich fliege doch nur einmal. Jetzt stell dich mal nicht so an, der kurze Flug. Das darf ich doch auch mal.” Aber in meinem Ohr will es nicht ruhig werden: “Mich anstellen? Du spinnst wohl! Weißt du eigentlich, was so ein >kurzer< Flug für einen CO2-Ausstoß verursacht?!” Zugegeben, das weiß ich nicht.

Also setze ich mich an meinen Computer und rechne mal um, welche Klimawirkung ein Flug von Hamburg nach Málaga und zurück so hat. Ausgesprochen praktisch erweist sich da die Internetseite www.atmosfair.de.
Tja, mein Hin- und Rückflug entspricht einer Klimawirkung von etwa 900kg CO2. Klingt ja gar nicht sooo schlimm. Aber, was lese ich da? Das ist genau so viel, wie ein indischer Mensch im Jahr an CO2-Emission verursacht. Ich bin schockiert. Und peinlich berührt.

Zum Glück gibt es eine Möglichkeit, mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen. Ich erinnere mich daran, dass man bei verschiedenen Organisationen Ausgleichszahlungen für seine Flüge leisten kann. Auch bei der Infostelle Klimagerechtigkeit gibt es diese Möglichkeit des Kompensierens. Wenn ich den Anweisungen auf unserer Internetseite folge, errechne ich eine Ausgleichszahlung von 13,50€ für Hin- und Rückflug. Dieses Geld würde in ein Klimaschutz-Projekt auf den Philippinen fließen.

Das klingt gut. Das werde ich machen. Es darf zwar nicht dazu führen, dass ich denke, ich kann ja für alle meine Klimasünden Geld bezahlen und dann ist alles gut. Aber für so eine besondere Reise, wie ich sie diesen Sommer ausnahmsweise mal machen möchte, sehe ich eine Ausgleichszahlung als Möglichkeit, wenigstens etwas beruhigter  in den Urlaub zu starten. Wie siehst du das?